Persönlichkeitsentwicklung ist kein Wettbewerb – auch nicht mit dir selbst!

Seit Anfang des Jahres 2021 befinde ich mich im Sabbatical. Aus privaten Gründen und veränderten Vorstellungen von mir in der Arbeitswelt wollte ich eine Auszeit. Vor allem wollte ich mir einen Traum erfüllen: Eine gesamte Wintersaison in den Bergen verbringen. Zum anderen wollte ich aber auch herausfinden, wo ich beruflich hin will und was „meine Berufung“ ist.

Was ist meine Berufung? Wie finde ich sie? Wo muss ich anfangen?

Ich hatte mir sehr viele Ziele gesteckt und hohe Anforderungen an mich selbst gestellt. Darin war ich schon immer gut. Zum Glück habe ich aber auch nebenbei das Buch über das Loslassen von Norman Brenner gelesen. Es hat mir immer geholfen mich selbst nicht zu sehr zu stressen und das Leben eben als einen Fluss zu sehen, in dem die Dinge zur rechten Zeit kommen.

Natürlich soll man jetzt nicht faul auf der Couch sitzen und warten, dass das tolle Leben kommt, aber man muss sich eben auch nicht so versteifen und etwas zu sehr forcieren. Dabei verlieren wir den Blick für das Wesentliche und den gegenwärtigen Moment.

Neben diesem wunderbaren Buch, welches Gelassenheit und Vertrauen lehrt, habe ich mich aber auch generell mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt und wie man Themen wie „Berufung finden“ angeht. Ich habe auf jeden Fall gelernt, dass man Dinge ausprobieren muss – immer! Allerdings ist dieser Fakt nicht so neu für mich. Ich habe bisher immer gern Neues ausprobiert statt ewig zu grübeln ob ich es jetzt mache oder nicht. Nur durch Erfahrungen kann ich ja wirklich wissen, ob etwas zu mir passt oder nicht.

Wie oft verschwenden wir Zeit mit „Was wäre wenn?“ und „Ob das meine Berufung wäre?“

Schluss mit Erwartungen!

Viele Dinge – vor allem auch im Vergleich mit anderen – erscheinen immer so erstrebenswert und wir stellen uns vor wie sie wären. Da wären wir auch schon wieder bei dem Buch von Norman Brenner und dem Thema Erwartungen. Wenn wir im Alltag sind und uns vornehmen etwas zu ändern und uns ausmalen wie es wäre, erschaffen wir automatisch eine Erwartung. Und da im Leben immer alles anders kommt als wir es planen, kann diese Erwartung an unsere Berufung fast nur negative Folgen haben.

Warum? – Das ist wie mit der Urlaubsplanung. Wir freuen uns die ganze Zeit darauf, malen uns aus wie schön die Zeit wird und am Ende geht das ein oder andere schief und wir sind enttäuscht. Dann haben wir keine Entspannung und Freude erfahren, sondern den gegenteiligen Effekt. Wir rennen das ganze Leben herum mit Erwartungen – an uns selbst oder an andere oder an Dinge. Ich hatte auch Erwartungen an das Sabbatical und musste mit einigen Enttäuschungen klar kommen. Das hat mich aber gelehrt wie wahr es ist, dass Erwartungen oft mit Enttäuschungen einhergehen und somit oft negative Gefühle zur Folge haben.

Bei den Tipps von Coaches im Internet habe ich oft das Gefühl, dass es auch nur darum geht sich Ziele zu stecken, diese diszipliniert zu verfolgen und so dann zur Selbsterfüllung und zum Glück zu kommen.

Aber ist das denn so? Sicherlich sollten wir aktiv werden, wenn wir bei der Arbeit gemobbt werden und keine Lösung in Sicht ist. Hier können wir zum einen an unserer Haltung arbeiten und so vielleicht etwas ändern. Wahrscheinlich ist aber auch ein Gespräch mit dem Chef oder ein Jobwechsel eine gute Alternative, denn wir können nicht alles durch unsere Wahrnehmung ändern. Manchmal müssen wir auch im Außen etwas ändern, um wieder Frieden herzustellen.

Mich persönlich stört, dass Tipps oft in die Richtung gehen „Wie man erfolgreich wird“, eben z.B. durch das Finden seiner wahren Berufung. Genauso setzen sich manche ja auch andere Ziele im Leben, wie z.B. den perfekten Partner zu finden, Familie zu gründen, Haus zu bauen – Glücklich werden! Aber auch hier suchen wir das Glück im Außen und haben ggf. die Erwartung, dass diese Dinge uns dann endlich glücklich machen.

Was ist Erfolg?

Meiner Meinung nach sollte Persönlichkeitsentwicklung und Coaching den Menschen helfen ihre eigene Definition von Erfolg zu finden. Ist denn Erfolg wirklich die eigene Berufung zu finden oder einen tollen Job auszuführen, Karriere zu machen oder den perfekten Partner zu finden oder die wunderbare Familie zu gründen?

Oder sollten wir nicht einfach jeden Tag so verbunden wie möglich mit unseren eigenen Bedürfnissen arbeiten, achtsam mit uns sein – die Energie, die wir haben, für die Dinge nutzen, die uns gut tun statt Energie in etwas zu stecken, das eventuell zur Berufung oder sonst was führt?

Ich behaupte nicht, dass es falsch ist eine Vision vom Leben zu haben und auch etwas zu investieren, um dieser näher zu kommen, doch auf die falsche Art und Weise ist es energieaufwendig. Nicht jeder hat diese Energie zur Verfügung. Ich persönlich habe kaum Verpflichtungen, aber habe oft das Sabbatical nur genossen und mich gefreut mich mal nicht zu stressen, nicht früh aufstehen zu müssen und in meinem Tempo – mit der jeweiligen Tagesenergie – zu agieren.

Selbstoptimierung in allem – auch im Energiemanagement

Und ja, selbst beim Thema Energie gibt es Coaches, die einem dann erklären wie man mehr Energie gewinnt und so noch mehr aus sich herausholt. Und natürlich stimmt das. Wenn ich den Tag mit positiven Gedanken starte, wird der Tag auch meist positiver. Aber auch hier finde ich, dass ich durchaus auch schlecht gelaunt aufstehen kann und dann 15 Minuten später trotzdem noch meinen Optimismus finden kann. So schwarz-weiß ist das Leben nämlich nicht.

Genauso stimmt auch, dass man ist, was man isst und dass guter Schlaf, keine quälenden Gedanken, keine energieraubenden Menschen usw. sich positiv auf unser Energielevel auswirken. Doch trotzdem kann und muss ich jetzt auch nicht jeden Teil in meinem Leben bis aufs Letzte optimieren! Das ist nämlich schlichtweg anstrengend!

Während meines Sabbaticals gab es Tage, da war ich unendlich „produktiv“ (Was auch immer das heißen mag…). Und dann gab es Tage, da war ich so bequem und habe gefühlt „mein Leben verschwendet“. Ja, so definiere ich die Tage, an denen ich „nicht produktiv“ bin.

Ich bin es leid, dass wir uns ständig nicht gut genug fühlen, weil offenbar alle so toll sind und so viel schaffen. Es ist ein ewiges Vergleichen und ein ständiger Wettbewerb – mit allem! Was soll das?

Was ist daher mein Ziel von Coaching?

Für mich sollte Coaching Menschen helfen hier entgegen zu wirken und mehr bei sich selbst anzukommen. Was möchte ich wirklich vom Leben? Was sind sinnvolle kleine Schritte, die ich im Leben integrieren kann statt immer neuen Zielen hinterher zu rennen. Natürlich können und wahrscheinlich werden wir dann auch einen Job finden, der uns glücklich macht. Doch im Endeffekt ist es doch viel wichtiger, dass wir als Menschen lernen auf unsere tagesaktuellen Bedürfnisse zu hören. Wir haben nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung und niemand weiß, wann das Leben vorbei ist.

Ich sollte immer zuerst meine Ressourcen im Blick haben und ehrlich mir gegenüber sein:

Welche Rahmenbedingungen können geändert werden? Welche nicht?
Liegt das tatsächlich an nicht überwindbaren Herausforderungen oder an eigenen oder fremden Ansprüchen?
Was brauche ich nicht mehr? (Weglassen und Loslassen)
Was macht mir Spaß? Was möchte ich jetzt machen – unabhängig vom Ergebnis?

Achtsamkeit uns selbst gegenüber!

In der Ruhe die eigenen Bedürfnisse erkennen

Durch meine Yogapraxis habe ich viel mehr Achtsamkeit für meine Bedürfnisse entwickelt. Früher habe ich meinen Körper benutzt. Er musste funktionieren: Wenn ich mir was vorgenommen habe, habe ich es gemacht – egal ob ich körperlich in der Verfassung war oder nicht. Wenn wir allerdings so gegen uns arbeiten, wird sich das früher oder später rächen.

Wir brauchen immer den Ausgleich und es ist wichtig, diesen für sich zu finden. Der ist auch individuell. Es gibt Menschen, die kommen automatisch mit viel Energie auf die Welt und dann gibt es Menschen, die nicht so getrieben sind. Jeder sollte in seinem Tempo und mit seiner jeweiligen Verfassung arbeiten und das Beste aus seinen Ressourcen machen – jeden Tag!

Oft fühle ich mich etwas sinnbefreit in meinem Alltag. Doch wenn ich ehrlich bin, war ich noch nie so ehrlich zu mir wie aktuell. Ich mache die Dinge, auf die ich Lust habe. Nicht die Dinge, die jemand anderes toll findet oder die mir Karriere, Anerkennung, Geld oder sonst was bringen.

Alles ist absolut intrinsisch motiviert und hat keine direkte Absicht. Während ich es tue, habe ich Lust darauf. Auch jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe: Heute früh kam mir der Gedanke, dass es doch total bescheuert ist ständig im Kampf mit sich zu stehen. Warum fällt es uns so schwer uns so zu akzeptieren, wie wir gerade sind? Und daher schreibe ich diesen Text…

Wenn wir alle ehrlicher uns selbst gegenüber wären, hätten wir womöglich auch weniger Druck und Wettbewerb. Wenn wir alle mal sagen würden, was uns bedrückt und worauf wir eigentlich gar keine Lust haben, wir es aber eben machen, weil es so erwartet wird (von uns oder anderen oder der vermeintlichen gesellschaftlichen Norm), dann hätten wir wohl eine gesündere Gesellschaft. Dann müssten nicht alle rumrennen und sich selbst suchen und nie finden.

Und natürlich bewirken wir mit Taten und unserer Einstellung und unseren Gedanken eine Menge. Wenn ich also jeden Tag aufstehe und sage – „Es ist alles egal und ich habe keine Energie.“ – da kommt dann auch nicht viel dabei rum. Aber genauso bringt es auch nichts aufzustehen und sich zu sagen: „Heute muss ich dieses und jenes machen, damit ich meinem Ziel näher komme und dann endlich meine Berufung gefunden habe.“ Das erzeugt auch wieder Druck und Erwartungen und führt womöglich am Ende nicht unbedingt dazu, dass diese „Berufung“ glücklich macht.

Ich denke auch, wenn wir generell positiv und motiviert an den Tag gehen, dass immer etwas Tolles dabei rauskommen kann. Und so ergibt sich auch automatisch die Persönlichkeitsentwicklung. Wir sind offen für neue Erfahrungen, sehen eventuell Dinge, die wir sonst mit unserer Verbohrtheit gar nicht sehen würden. Und so entstehen ja oft durch Zufälle neue Ideen oder Bekanntschaften und plötzlich macht man etwas Neues und ist total glücklich damit (ohne dass man es vorher erwartet hätte 😉 )

Zufriedenheit – Das Leben ist keine Checkliste!

Ich möchte mit diesem Beitrag den Menschen einfach nur wieder ein Gefühl für das Leben geben. Das Leben muss am Ende nicht wie eine Checkliste abgehakt werden, was man alles gemacht und erreicht hat.

Viel schöner wäre doch eine Checkliste an welchem Tag ich gelacht habe und mit mir im Reinen war und mich nicht verbogen habe – nicht für andere und nicht für mein Ego bzw. meine eigenen überzogenen Erwartungen! Lasst uns lernen zufrieden zu sein und das Beste aus dem zu machen, was wir an diesem Tag vorfinden!

Und dieser Beitrag ist jetzt sehr allgemein und es gibt immer Themen oder schwere Entscheidungen im Leben, wo man dann sicher auch mal genauer hinschauen muss oder wo ein Coach oder Therapeut helfen kann.

Doch ich finde es ist auch wichtig, diese Leichtigkeit im Leben wieder zu finden. Im Sabbatical habe ich gemerkt, dass ich früher viel leichtgewichtiger gelebt habe. Im Studium konnte ich selbstbestimmt Projekte bearbeiten. Ich habe ca. drei Stunden am Tag gearbeitet. Ansonsten war ich am Meer oder habe Serien geschaut oder mich mit Freunden getroffen. Da habe ich noch nicht darüber nachgedacht, was ich noch alles Tolles im Leben erreichen sollte.

Nein, ich war einfach im Tag und habe ganz klar unterschieden zwischen Dingen, die gemacht werden müssen und den Rest hab ich weg gelassen bzw. bin einfach dem nachgegangen auf was ich Lust hatte! Und das ist doch wahrer Erfolg. Wenn wir das tun, wird uns trotzdem immer etwas widerfahren, das uns automatisch weiter entwickelt.

Und ansonsten können wir uns doch auch einfach ganz entspannt evolutionär und nicht revolutionär entwickeln. So kommen wir zwar langsamer, aber mit mehr Freude an dem Ziel an, das wir noch nicht kennen!

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