Verluste akzeptieren lernen…

Krise ist ein produktiver Zustand.
Man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“

Max Frisch

Im Leben gibt es Verluste…

In diesen Momenten glauben wir manchmal, dass wir den Schmerz des Verlusts nicht aushalten oder nicht überwinden können. Wir neigen dann auch manchmal dazu die damit verbundene Trauer nicht zuzulassen. Wir wollen lieber weiter funktionieren. Das überwältigende Gefühl der Trauer macht eventuell dem ein oder anderen auch Angst. Es ist prinzipiell auch ein Schutzmechanismus des Gehirns den Verlust zu nehmen und irgendwo tief abzuspeichern – in der Hoffnung, dass er dann nicht weiter stört. Nur Vergessen wird das Gehirn nicht. Das heißt, die mit dem Verlust verbundenen Gefühle werden uns somit immer wieder mal unterbewusst triggern, wenn wir sie nicht zulassen.

2020 war ein Jahr des Verlusts bei mir. Ich hatte es zunächst nicht als diesen gesehen beziehungsweise mental für mich als ‚Alles trotzdem in Ordnung‘ abgespeichert. Doch wir sind nun mal Menschen und nicht nur mental gepolt. Wir haben Gefühle und es gibt Ereignisse und Situationen, wo wir uns noch so schlau zureden können. Das wird leider nichts bringen. Denn Gefühle verstehen nicht. Sie wollen einfach nur gefühlt werden. Doch nur wenn wir hinsehen und das Gefühl zulassen, kann auch Heilung stattfinden.

„Deine Seele weiß immer was sie tun muss, um sich selbst zu heilen. Die Herausforderung ist es, deinen Verstand zum Schweigen zu bringen.“

Sich selbst zu sagen, dass man stark ist und da schon durchkommt, ist leider keine gute Wahl. Stattdessen solltest du dich trauen dein Gefühl mit dem Verlust zu fühlen. Nur wenn wir die Trauer zulassen, sie durchleben, mit liebevollen Menschen darüber reden, nur dann kann die Trauer auch wieder gehen.

Was bedeutet Trauer?

Zudem ist es auch wichtig zu verstehen, was mit Trauer zusammen hängt. Trauer bedeutet, dass wir uns von einem geliebten Wesen, einem kostbaren Besitz oder einem Plan bzw. einer Erwartung an das Leben lösen müssen. Sie ist ein sehr hilfreicher und notwendiger Prozess. Wenn wir uns dem Gedanken öffnen würden, dass nichts oder niemand je verloren geht und würden wir begreifen wie das Universum funktioniert, so wäre das viel leichter zu ertragen und zu akzeptieren. Denn schlussendlich ist es unsere Anhaftung, unser Festhalten und die Sehnsucht nach dem, was wir nicht mehr in unserem Leben haben, das uns traurig macht.

„Man muss bereit sein, sich vom Leben zu lösen, das man geplant hat, damit man das Leben findet, das auf einen wartet.“

Damit wir mehr loslassen und weniger anhaften, müssen die Gefühle fließen. Im Schamanismus sind Emotionen dem Element Wasser zugeordnet. Während ich diesen Text schreibe, sitze ich am Wasser und nehme einfach nur wahr, was ich denke und fühle. Vor ein paar Tagen überkam mich nämlich wieder einmal die Trauer. Ich stellte Vieles in Frage, steigerte mich mental in diese Trauer hinein und war schier überfordert. Doch dann habe ich die Trauer einfach zugelassen – ich habe sie einfach gefühlt und konnte so auch mehr loslassen. Ich habe aber auch mit Menschen darüber gesprochen, die mir immer wieder helfen mich zu üben diese Sehnsucht nach etwas, was nicht mehr ist, gut sein zu lassen. Und nun sitze ich hier am Wasser und empfinde auch wieder Freude. Ich weiß, dass die Trauer noch nicht zu 100% überwunden ist, aber ich weiß auch, dass sie nicht mein Leben bestimmt. Damit das nicht passiert, muss ich sie immer wieder, wenn sie hochkommt, durchleben und fühlen.

Gefühle kommen und gehen

Tun sie wirklich! Nur wenn wir anfangen die Trauer zu überdenken, machen wir sie größer als sie ist. Dann haben wir Probleme die Trauer auch wieder gut sein zu lassen. Traue dich also traurig zu sein. Nur wenn du dieses Gefühl genauso intensiv lebst wie die Freude, wird die Freude wieder in dein Leben kehren. Und Trauer kann unterschiedlich lange andauern und eben auch immer wieder mal hochkommen.

Mache dir einfach bewusst, dass – bei allem Verlust – du immer noch Vieles in deinem Leben hast. Die Trauer hat eine ziemliche Gewalt und manchmal überschattet sie alles. Mache dir bewusst, dass du neben diesem Gefühl der Trauer auch noch andere Gefühle hast und wieder leben wirst. Bei aller Trauer weißt du auch, dass du andere Dinge im Leben hast, die dir Kraft geben. Statt auch noch gedanklich tief in die Trauer rein zu gehen, lenke deine Gedanken lieber auf die anderen Dinge in deinem Leben, die das Leben trotz des Verlusts reich machen.

Die Natur hilft heilen

Wer den Weg zur Natur findet, findet auch den weg zu sich selbst.“

Wenn dir nichts einfällt, dann gehe in die Natur – beobachte Schmetterlinge, Wolken, das Wasser. In der Natur zu sein, kann auch Heilung bedeuten. Es zeigt uns, dass alles im Fluss ist. Und genauso wie auch lustige Momente, in denen du gelacht hast, irgendwann vorbei sind, ist auch die Trauer irgendwann vorbei. Die Trauer wird kleiner, umso mehr du sie fühlst.

Denke an das Gesetz der Dualität. Ohne Trauer auch keine Freude!

„Die Seele braucht Aufregung, damit sich Glück und Zufriedenheit ausbreiten können.“

(Hanna Schnyder)

Die Trauer ist wichtig, damit wir das akzeptieren und hinter uns lassen können, was wir im Jetzt nicht mehr ändern können. Nur durch das Trauern werden wir es schaffen loszulassen, um dann auch wieder nach vorn blicken zu können und Neues in unser Leben zu lassen.

Ein heilsamer Spruch in diesem Zusammenhang des Verlusts ist auch:

„Betrachte alles im Leben als Leihgabe. Alles ist im Wandel und nichts ist beständig.“

Einmal gewinnen wir – einmal verlieren wir. Das gehört zum Leben dazu, auch wenn es sich in dem Moment richtig mies anfühlt. Aber auch die vermeintlich richtig beschissenen Gefühle sind wichtig, um wieder schiere Freude zu empfinden.

„Alles was dir passiert, ist eine Einladung zum Wachsen.“

Das einzige Problem mit Trauer ist, wenn du dich ihr verschließt, nicht darüber sprichst und sie nicht zulässt. Dann wird sie dich früher oder später von innen auffressen.

Aber vertraue deiner Stärke!

Du bist immer noch da!

Du bist ein Mensch, der weinen darf und auch muss!

Verluste gehören zum Leben dazu.

Wichtig ist wie wir mit diesen umgehen.

Habe keine Angst – und du wirst sehen – es kommen auch wieder bessere Tage!

Heilung braucht Zeit und Unterstützung

Physische und psychische Wunden brauchen Zeit zum Heilen. Nimm dir diese Zeit! Und nimm dir zur Not auch professionelle Hilfe in Form von Therapie. Bei einem gebrochenen Arm gehen wir auch zu einem Arzt und warten nicht, dass der Arm schon irgendwie wieder zusammenwächst… Denn dann wächst es zwar zusammen, tut aber ein Leben lang weh. Eine Therapie hilft, dass alles sauber heilen kann. Umso früher wir Wundheilung betreiben, desto besser verheilen die Wunden auch. Du kennst vielleicht diese alten verkrusteten Wunden, in denen am Besten auch noch etwas drin steckt, das man nicht rausgezogen hat. Dann eitert die Wunde auch noch… Die richtige Wundbehandlung deiner seelischen Verletzung wird also dazu beitragen, dass alles besser heilen kann. Eventuell bleibt eine Narbe zurück – manchmal vielleicht auch eine, bei der du nicht weißt aus welchem Grund du sie hast. Aber sie wird nicht dein Leben bestimmen. Sie ist dann einfach ein Teil von dir.

„If you loose someone, but found yourself, you won!“

Manchmal sehen wir nicht warum manches in unserem Leben passiert und es fällt uns schwer das Positive darin zu sehen. In einer mental geprägten Welt fällt es uns schwer einen Verlust zu akzeptieren. Doch manchmal passieren nun mal Dinge, die nicht schön sind und die wir nicht verstehen können oder wollen. Umso wichtiger ist dann der Trauerprozess, um damit abschließen und es einfach als Teil unser Selbst akzeptieren zu können.

„Manchmal erkennt man erst am Ende eines Weges warum man ihn gehen musste.“

Falls du auch einen Verlust zu verarbeiten hast, wünsche ich dir ganz viel Kraft und Mut die Trauer zuzulassen. Ich wünsche dir auch liebevolle Menschen, die dich begleiten und unterstützen. Falls du niemanden zum reden hast, suche dir vielleicht einen Therapeuten.

Wenn du keinen Therapeuten findest, der Zeit hat oder den du bezahlen kannst, darfst du mich auch gerne kontaktieren. Mache dir nur bewusst, dass ich kein ausgebildeter Therapeut, sondern nur Coach bin. Da ich aber weiß wie heilsam eine Begleitung in der Trauer ist, möchte ich das hier einfach geschrieben haben.

Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen zusammen – das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit.

John Fitzgerald Kennedy

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